Digitalisierung im Gesundheitssektor

Die 2. Dimension: Bestehende medizinische Produkte und Services mit digitalen Technologien effizienter erzeugen

Aus der Organisationssicht bedeutet die digitale Transformation, dass die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von medizinischen Produkten sowie die damit verbundenen Aktivitäten im Unternehmen schneller, günstiger, agiler und nachhaltiger umgesetzt werden. Dies erfordert einen detaillierten Blick auf die Prozesse der Zusammenarbeit: intern zwischen den Mitarbeitern und den Teams, extern mit den Lieferanten, den relevanten Akteuren in einem patientenorientierten Versorgungssystem sowie den Patienten.

 

Sowohl die interne Zusammenarbeit in Unternehmen als auch die mit externen Stakeholdern wird zunehmend durch Social-Collaboration-Tools und die Einführung moderner Technologien wie z. B. Künstlicher Intelligenz beeinflusst und verändert. Die Kommunikation soll so effizienter und reibungsloser gestaltet werden. Darüber hinaus ist es Ziel, eine höhere Transparenz herzustellen sowie Doppelarbeit, Verzögerungen und Fehlentscheidungen zu vermeiden. Die Deutsche Social Collaboration Studie 2019 belegt, dass die Arbeitseffizienz mit modernen Technologien um bis zu 50 % gesteigert werden kann. Diese Effizienz betrifft auch die Kommunikation mit den Kunden. Der B2B-Vertrieb hat eine Gemeinsamkeit mit dem B2C-Markt: Es wird ein unkomplizierter und kundenorientierter Kaufprozess erwartet. B2B-Kunden erwarten zudem einen überdurchschnittlichen Service, nicht nur auf der Produktebene, sondern von der Preisgestaltung bis hin zur Logistik. In einem Poly- bzw. Oligopol haben sich ca. 60 % der B2B-Kunden bereits vor dem ersten persönlichen Kontakt auf Basis der online verfügbaren Informationen entschieden. Im Erstkontakt geht es dann lediglich um eine Überprüfung der Entscheidung. Und so gilt es, die komplette Kommunikationsstrategie auf den Prüfstand zu stellen und weiterzuentwickeln – vom Verkäufer zum Berater.

Offen sein für existierende Plattformen

Zu berücksichtigen ist an dieser Stelle auch der Endkunde, denn gut die Hälfte aller Patienten informiert sich zusätzlich zum Arztbesuch online, so die im Jahr 2018 veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Gesundheitsinformationen sollten daher über Kanäle mit hoher Reichweite verbreitet werden. Es bedarf dafür einer Offenheit für existierende Plattformen und die Anpassungsfähigkeit an neue Technologien wie der elektronischen Patientenakte, die sich dafür eignen könnte, allgemeine und individuell zugeschnittene Gesundheitsinformationen bereitzustellen. So kann der kulturelle Wandel hin zu einem selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Gestalten in Gesundheitsfragen positiv unterstützt werden.

Digitalisierungspotenzial erkennen

Jedes Unternehmen, das sich nicht nur auf seiner Tradition und den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen möchte, sollte den Anspruch haben, neue Ideen und Kundenanforderungen schnell umsetzen zu können, digitale Innovationen als erster an den Start zu bringen, auszuprobieren und zu testen. Die Basis dafür ist echte Kundenzentrierung und das richtige, hohe Ambitionslevel. Aus Organisationssicht sind fünf Aspekte essenziell, mit denen medizinische Produkte und Services mit digitalen Technologien effizienter erzeugt werden können:

  1. Sichern zusätzlicher Einnahmequellen

Insbesondere innovative Gesundheitslösungen mit digitalen Technologien eröffnen neue Zahlungsmodelle – von der Einmalzahlung hin zum Abo. Neben diesen direkten Einnahmequellen sind auch mögliche indirekte Einnahmequellen zu prüfen.

  1. Gewinnen von Effizienz und Kostenoptimierungspotenzialen

Digitale Technologien haben im Vergleich zu analogen Lösungen einen preislichen Vorteil, denn Bits und Bytes sind günstiger zu verarbeiten und ermöglichen auch, dass vorhandene Strukturen in neue Lösungen bzw. Geschäftsmodelle eingebunden werden können, ohne dass dabei zusätzliche Infrastrukturkosten anfallen. Zudem bieten digitale Technologien Kostenoptimierungspotenziale und Effizienzgewinne durch Größenvorteile. Weiterhin führen digitale Lösungen zu einer Verlagerung bislang organisationsinterner Aktivitäten auf den Kunden.

  1. Identifizieren und Implementieren der Schlüsselfaktoren

Schlüsselfaktoren umfassen die Schlüsselressourcen und Schlüsselaktivitäten im Wertschöpfungsprozess sowie unterstützende Supportservices und Partnerschaften. Dabei steht der Kunde im Mittelpunkt, jedoch verändert sich in Zeiten der digitalen Transformation die Art und Weise der Kundengewinnung und -haltung. Und so sind die digitalen Möglichkeiten zu bewerten und das Marketing sowie die Kommunikationsstrategie entsprechend weiterzuentwickeln.

  1. Individualisieren der Kundenbeziehungen

In Zeiten der Digitalisierung gilt es, die Kunden und ihre Bedürfnisse systematisch besser zu verstehen und Vertrauen als Verpflichtung für die Zukunft zu sehen. Digitale Technologien ermöglichen, jeden einzelnen Kunden und sein individuelles Verhalten abzubilden und die Marketing- und Kommunikationsstrategien zielgerichtet darauf auszurichten. Die Gesundheitsindustrie sollte hierzu trotz der gegebenen Restriktionen mutig vorangehen, denn sonst werden sie von den ausländischen Unternehmen überrollt.

  1. Erfolgreiches Managen der Kanäle

Dazu gehört die Gestaltung der Distributionspolitik von der Vertriebsorganisation bis hin zum Vertriebskanal, die strategische Berücksichtigung einer höheren Preistransparenz und möglicher globaler Chancen sowie der Fokus auf mobile Lösungen (Smartphone/Tablet plus App oder alternativ z. B. Alexa) und das Multi-Channeling.

Bei der Bearbeitung der Organisationsperspektive gilt es, jede Aktivität und jeden Prozess auf sein Digitalisierungspotenzial hin zu überprüfen. Wie auch bei der Ausgestaltung der Kundenperspektive sollte möglichst breit gedacht werden. „Das haben wir schon immer so gemacht“ wird in Zukunft nicht mehr funktionieren, da Organisationen, die am Markt erfolgreich sein wollen, alles neu denken und gegebenenfalls neu umsetzte müssen.

Sie möchten Ihr Vorgehen reflektieren oder benötigen Unterstützung in der Umsetzung? Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme unter service@janinedodt.de oder +49 (0) 0176 / 35 49 77 70.

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